Unter dem Motto "Bürger fahren für Bürger" wird das innerörtliche
Verkehrsangebot deutlich verbessert – Vorbildliches bürgerschaftliches
Engagement zur Aufwertung des Wohn- und Einkaufsstandorts Salach
Der Salacher Bürgerbus hat nach rund zwei Jahren intensiver
Vorbereitung Fahrt aufgenommen. Am Montag, 17. Februar 2003, um genau 9.09
Uhr startete der acht Sitzplätze umfassende Kleinbus von der zentralen
Bushaltestelle an der Kreissparkasse zu seiner Jungfernfahrt durch die Gemeinde.
Bürgermeister Bernd Lutz als einer der über zwanzig ehrenamtlichen Fahrerinnen
und Fahrer hatte sich dabei bereit erklärt, die erste Tour zu übernehmen. Mit
der symbolischen Übergabe des Fahrzeugschlüssels an die Verantwortlichen des
Bürgerbusvereins erfolgte bereits zwei Tage früher, am Samstag, 15. Februar
2003, ab 11 Uhr im Salacher Rathaus der offizielle Startschuss für das erste
Projekt dieser Art in Baden-Württemberg.
Mit Bürgerbusprojekt wird Neuland betreten
Mit der Realisierung des Bürgerbusprojekts wurde in Salach
Neuland betreten. Denn nirgendwo in Baden-Württemberg existiert bislang ein
durchweg auf ehrenamtlicher Basis betriebenes Angebot, mit dem das bestehende
Busliniennetz entsprechend den örtlichen Bedürfnissen ergänzt und damit enger
verknüpft wird. Ganz anders in den Niederlanden, woher diese Idee ursprünglich
stammt, oder in Nordrhein-Westfalen, wo es mittlerweile eine Vielzahl solcher
Projekte gibt, die sich dort zu einer tragenden Säule des dortigen ÖPNV-Angebots
entwickelt haben.
Ehrenamtliches Engagement als Herzstück des Salacher
Bürgerbusmodells
Und in der Tat bildet das bürgerschaftliche, ehrenamtliche
Engagement das Herzstück des Salacher Bürgerbusmodells. Insoweit unterscheidet
sich das Salacher Projekt deutlich von den Ortsbus-Ansätzen in anderen Städten
und Gemeinden, in denen die Verkehrsleistungen oftmals gegen Rechnung von
örtlichen Verkehrsunternehmen erbracht werden. "Unter dem Motto ‚Bürger fahren
für Bürger‘ setzen wir in Salach bewusst auf das freiwillige Element, ist dies
doch eines der ganz entscheidenden Erfolgskriterien für das Gelingen und die
Akzeptanz dieses ergänzenden Verkehrsangebots", so Bürgermeister Bernd Lutz.
Wichtiger Beitrag zur Ergänzung des bestehenden
Busnetzes
"Das Bürgerbusprojekt ist daher nicht nur für unsere
Wohlfühlgemeinde Salach, sondern auch weit über die Ortsgrenzen hinaus ein
wichtiger Impuls für eine von bürgerschaftlichem Engagement getragene,
zukunftsweisende Ergänzung des bestehenden Netzes an öffentlichen
Nahverkehrsmitteln. Dank des vorbildlichen Einsatzes sämtlicher Mitglieder des
Salacher Bürgerbusvereins, dank der großzügigen finanziellen Unterstützung des
Landes Baden-Württemberg bei der Fahrzeugbeschaffung in Höhe von rund 46.000
Euro, und dank zahlreicher örtlicher Sponsoren ist es nun möglich, dieses
bestechende Konzept im Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger tatsächlich in
die Realität umsetzen zu können", unterstreicht Bernd Lutz in diesem
Zusammenhang die Bedeutung dieser aus der Lokalen Agenda 21 heraus entstandenen
Initiative.
Beeindruckendes Beispiel für die Chancen bürgerschaftlichen
Engagements
So wurden von allen Beteiligten insgesamt weit über 1.000
Stunden an freiwilliger Arbeit geleistet, um das Bürgerbusprojekt überhaupt bis
zum nun unmittelbar bevorstehenden Betriebsstart entwickeln und vorantreiben zu
können. "Dies ist eine wirklich beeindruckende Bilanz sowie ein vorbildliches
Beispiel für die Möglichkeiten und Chancen bürgerschaftlichen Engagements zur
aktiven Mitgestaltung unserer Wohlfühlgemeinde Salach", bringt das
Gemeindeoberhaupt seinen Dank gegenüber Johannes Frey als Vorsitzendem und Dr.
Harry Dobeschinsky als Geschäftsführer des Bürgerbusvereins stellvertretend für
die vielen aktiven Mitstreiter zum Ausdruck.
Weitere Fahrerinnen und Fahrer herzlich willkommen
Die breite Unterstützung für das Bürgerbusprojekt innerhalb der
Salacher Bevölkerung wird aber auch dadurch deutlich, dass es gelungen ist, über
20 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer vom Mitmachen zu überzeugen. Dabei wären
es noch einige Freiwillige mehr gewesen, wäre die im Rahmen der für den Erwerb
des Führerscheins zur Fahrgastbeförderung notwendigen
medizinisch-psychologischen Untersuchung zu überspringende Hürde vom
Verordnungsgeber nicht so hoch angesetzt gewesen. Deshalb stehen Verein und
Gemeinde derzeit im engen Kontakt mit dem Ministerium für Umwelt und Verkehr, um
hier noch zu gewissen Erleichterungen nach dem Vorbild der für
Nordrhein-Westfalen geltenden Regelungen zu kommen. Verbunden damit natürlich
die Erwartung, dass noch einige freiwillige Fahrerinnen und Fahrer ihre
Bereitschaft zum Steuern des Salacher Bürgerbusses erklären.
Stundentakt zur nachhaltigen Verbesserung der innerörtlichen
Mobilität
Ziel des Bürgerbusses ist es, zu einer nachhaltigen
Verbesserung der innerörtlichen Mobilität in Salach beizutragen. Erreicht wird
dies durch eine bedarfsgerechte Ergänzung des herkömmlichen Busliniennetzes, in
erster Linie durch die Erschließung der Salacher Ortsteile, die vom regulären
Linienverkehr bislang nicht oder nicht in ausreichendem Umfang bedient werden.
Busanbindung im bequemen Stundentakt
So wird der Bürgerbus auf seinem rund 7 Kilometer langen
Ringverkehr montags bis freitags zwischen 14 und 18 Uhr im Stundentakt die
insgesamt 38 Haltestellen, die alle zentral zu den verschiedenen Wohn- und
Geschäftslagen eingerichtet werden, bedienen. Zusätzlich verkehrt der Bus am
Montagvormittag zwischen 9 und 12 Uhr sowie am Samstagvormittag im Zeitraum von
9 bis 13 Uhr. "Mit der dichten Haltestellenfolge wollen wir gewährleisten, dass
die große Mehrheit der Salacherinnen und Salacher höchstens 200 Meter zu Fuß bis
zur nächsten Haltestelle gehen muss", beschreibt Geschäftsführer Dr. Harry
Dobeschinsky einen wesentlichen Grund für die hohe Attraktivität dieses Salacher
Modells. Attraktiv ist aber nicht nur die Linienführung und der Zeittakt,
sondern auch der Fahrpreis: Erwachsene zahlen pro Fahrt 0,50 Euro, Kinder sogar
nur 0,25 Euro.
Einbindung der örtlichen Handels- und Gewerbebetriebe
Vor diesem Hintergrund ist auch bei den örtlichen Handels- und
Gewerbebetrieben eine große Bereitschaft zu spüren, über Werbung bzw. Sponsoring
ihren Teil zum Gelingen des Bürgerbusprojekts beizutragen. "So konnte der
Großteil der insgesamt 36 zur Verfügung stehenden Werbeflächen auf dem
FIAT-Kleinbus mittlerweile verkauft werden, so dass nur noch einige wenige frei
sind", weiß der Vorsitzende des Bürgerbusvereins, Johannes Frey, in diesem
Zusammenhang zu berichten. Dabei kann diese positive Resonanz unter den
Gewerbetreibenden keineswegs überraschen: Denn durch eine enge verkehrsmäßige
Verknüpfung der Einkaufsschwerpunkte mit den einzelnen Wohngebieten erwarten
sich Gewerbetreibende und Gemeinde eine nachhaltige Verfestigung und Stärkung
des Handels- und Dienstleistungsangebots in Salach.
Maßgeschneidertes Angebot gerade für die älteren Mitbürgerinnen
und Mitbürger
Über eine taktmäßige Anbindung der Bürgerbusse an die zentralen
Verknüpfungspunkte von Bus und Bahn in der Salacher Ortsmitte trägt der Salacher
Bürgerbus darüber hinaus dem Umstieg auf Linienbus oder Bahn in vorbildlicher
Weise Rechnung. Aber auch gerade in ihrer Mobilität eingeschränkte
Bevölkerungskreise wie beispielsweise die Seniorinnen und Senioren werden in
besonderer Weise von diesem zusätzlichen Angebot profitieren. Dazu passt auch,
dass die Gemeinde bei bestimmten runden Geburtstagen und Ehejubiläen
Einkaufsgutscheine verschenkt, denen Gutscheine für die Benutzung des
Bürgerbusses beigefügt sind. Insgesamt kommt dem Bürgerbus eine soziale,
integrative sowie über den Faktor des ehrenamtlichen Engagements auch eine
partizipative Funktion zu, die für das örtliche Leben und das damit verbundene
Gemeinschaftsgefühl von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.
Bürgerbus soll sich wirtschaftlich selbst tragen
Über die erwarteten Fahrgeldeinnahmen (errechnet auf der Basis
von 3.800 Fahrgästen jährlich) sowie den Einnahmen aus der Werbung auf den
Fahrplänen, Fahrscheinen und dem Bürgerbus selbst sollen die Kosten des
laufenden Betriebs in der Größenordnung von jährlich durchschnittlich knapp
9.000 Euro komplett abgedeckt werden. Unter den genannten Rahmenbedingungen
trägt sich der laufende Betrieb des Bürgerbusses damit wirtschaftlich selbst.
Für den Kauf des Fahrzeugs, die Einrichtung der Haltestellen sowie die ärztliche
Untersuchung der ehrenamtlichen Fahrer wird allerdings eine einmalige
Anschubfinanzierung erforderlich, zu der neben den bereits erwähnten
Fördermitteln des Landes in Höhe von rund 46.000 Euro ein Zuschuss der Gemeinde
Salach mit 2.500 Euro, Spenden und Eigenmittel des Vereins eingesetzt
werden.
Appell zur intensiven Nutzung des neuen Bürgerbusangebots
"Nun liegt es an den Salacher Bürgerinnen und Bürgern, das neue
Bürgerbusangebot intensiv zu nutzen und es auf diese Weise zu einem nachhaltigen
Erfolgsmodell zu machen", so Bürgermeister Bernd Lutz.